Moderne Arbeitszeitgestaltung

Arbeit und Gesundheit

Der Gesetzgeber stellt in § 1 des Arbeitszeitgesetzes die Bedeutung von Arbeitsschutz und Gesundheit dar: Arbeitszeiten sollten so gestaltet werden, dass durch sie die physische und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz nicht beeinträchtigt werden: Gemäß Arbeitszeitgesetz §1 gilt: „Zweck des Gesetzes ist es, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten.“

Zeitdruck – Zeitkompetenz

Vollzeitbeschäftigte verbrachten 2010 im Durchschnitt 1.668 Stunden ihrer Zeit mit Erwerbsarbeit. Dies bedeutet pro einzelnen Arbeitstag, dass nach Abzug der Zeit für Arbeitswege, Schlafen, Essen und Körperpflege noch fünf bis sechs Stunden zur individuellen Verfügung bleiben.

In arbeitsintensiven Phasen werden aber selbst die Stunden für Schlafen und Essen knapp – die soziale Zeit entfällt völlig. Ökonomische Zwänge führen zu Arbeitsverdichtung und Zeitdruck. Etwa 40 % der Befragten nennen das Arbeiten unter Zeit- oder Leistungsdruck an erster Stelle subjektiver Arbeitsbelastungen (Robert Koch Institut, 2011).

Kritisch zu bewerten ist daher eine Arbeitskultur permanenter Bewährung und Erreichbarkeit, da diese Erholungszeiten reduzieren und Leistungs- und Zeitdruck erhöhen können. Souveränität über die eigene Arbeitszeit und -menge dagegen hilft den Druck auf die Beschäftigten zu verringern. Auch die Vorbildfunktion von Vorgesetzten spielt für eine gesunde Arbeitsgestaltung eine wichtige Rolle. Erholungszeiten und limitiertes Arbeitspensum sollten für die Beschäftigten sichtbar und erreichbar und Teil gelebter Unternehmenskultur sein.

Arbeitsdauer, Gesundheit und Unfallrisiko

Lange Arbeitszeiten werden in der Regel mit Schlafstörungen, kardiovaskulären, gastrointestinalen und psychischen Problemen sowie Leistungsbeeinträchtigungen assoziiert. Neben den durch gesundheitliche Beeinträchtigungen entstehenden Ausfallzeiten ist auch eine erhöhte Unfallhäufigkeit im Zusammenhang mit der Arbeitsdauer ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor.

Das Unfallrisiko nimmt mit Ausdehnung der Arbeitszeit zu. Jenseits der achten bzw. neunten Arbeitsstunde steigt das Unfallrisiko gravierend an. Mit steigendem Unfallrisiko besteht somit auch eine größere Wahrscheinlichkeit für erhebliche betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten. Entsprechend sollte bei der Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle darauf geachtet werden, lange Arbeitszeiten zu vermeiden.

Stress

Stress entsteht dann, wenn die Anforderungen die individuellen Anpassungsfähigkeiten der Personen voll beanspruchen bzw. übersteigen. Dieser Stress ruft im Organismus über die Aktivierung des sympatiko-adrenalen Systems Maßnahmen hervor, um die zusätzliche Belastung zu bewältigen. So erhöhen sich z. B. die Herzfrequenz, die Atemfrequenz sowie der Blutzuckerspiegel.

Infolge dessen kann dauerhafter und stärkerer Stress mit negativen Konsequenzen für Betroffene einhergehen, u. a. eine gefährliche Schwächung des Immunsystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine Verschlechterung von Lern- und Gedächtnisleistungen.

Neueste Untersuchungen bestätigen einen Zusammenhang zwischen psychologischem Stress und der Alterungsfunktion. Menschen, die über längere Zeit gestresst sind, neigen aufgrund veränderter Zellstrukturen dazu, schneller zu altern - verbunden mit den dazugehörenden Krankheiten. Weitere „Stresskosten“ entstehen durch psychische Beeinträchtigungen von Beschäftigten in Form von Depression und/oder Burnout.

Stressreduzierende Gestaltungsmöglichkeiten

Es ist wichtig, persönliche Bewältigungsstrategien durch geeignete gesundheitsförderliche Formen der Arbeitsgestaltung zu unterstützen. Arbeitszeiten, die von den Beschäftigten entsprechend der betrieblichen Belange selbst- bzw. mitgestaltet werden, wirken positiv, indem Handlungs- und Kontrollspielräume erhöht werden, ein individueller Umgang mit Zeit gefördert wird und die Partizipation steigt.

Arbeitszeitwissen
Moderne Arbeitszeitgestaltung

Quelle

Hellert, U., Grzesik, G. & Tegtmeier, P. (2011): Flexible Arbeitszeitgestaltung: Informationsbroschüre für Unternehmen. In Hellert, U. (Hrsg.), iap Schriftenreihe. Band 1. MA Akademie: Essen.
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Ulrike Hellert
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Direktorin iap – Institut für Arbeit & Personal
Rouven Lippmann
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Ab November 2018 wieder im Projekt „Zeitbüro“ tätig